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Abhängen einer Decke mit Gipskartonplatten

Hohe Räume sind meistens etwas sehr Schönes, es gibt aber verschiedene Gründe wann es sinnvoll ist, eine Decke mit Gipsplatten abzuhängen.

Zum Einen lassen sich durch die niedrigere Decke und die verbesserte Isolierung Heizkosten sparen, zum anderen sorgt die Trockenbaudecke für eine bessere Schalldämmung. Aber auch optisch ist eine abgehängte Decke eine Möglichkeit, den Raum zu modernisieren oder unschöne Kabel zu verstecken. Darum folgt hier eine anschauliche Anleitung mit vielen Tipps, die das Abhängen der Decke erleichtern.

Ausgangslage

Ein sanierungsbedürftiges Haus kann für einen Heimwerker oft eine ewig andauernde Baustelle sein, oder aber auch ein „Spielplatz für Selbermacher“.

In meinem Fall handelt es sich um einen ehemaligen Bauernhof, dessen Grundmauern über hundert Jahre alt und teilweise einen Meter dick sind. Der zu sanierende Raum (23m²) hat eine Höhe von bis zu drei Meter, die bestehende Balkendecke weist Höhenunterschiede von über 10cm auf. Die Stabilität und Tragfähigkeit der Holzbalken wurden durch einen Statiker überprüft.

Durch das Abhängen der Decke möchte ich folgende Vorteile schaffen:

  • Verringerung der Raumhöhe auf 2,5 Meter
  • Schalldämmung
  • Heizkostenersparnis
  • Saubere Optik durch waagrechte Fläche und nicht sichtbar verlegte Kabel / Rohre

Allgemeines

Für das Abhängen einer Decke mit Gipskartonplatten gibt es eine Vielzahl verschiedener Lösungswege, allgemein ist es für einen Heimwerker schon ein recht ambitioniertes Projekt mit vielen möglichen Fehlerquellen, daher ist es ratsam sich zuerst möglichst genau zu informieren und sich in das Thema einzulesen.

Die von mir verwendeten Materialien und Methoden waren teilweise meine persönliche Präferenz, hatten das beste Preis-/ Leistungsverhältnis oder eigneten sich am besten für meine Ausgangslage.

Materialliste

  • Abhänger
  • Diverse Schrauben (Rigips, Holz, Beton)
  • Dübel
  • Holzlatten (5x5cm x4m) trocken / verzugsfrei
  • Dämmfilz
  • Rigipsplatten
  • Spachtelgips
  • Glasfaserband
  • Maler-Acryl
  • Haftgrund
  • Farbe

Werkzeugliste

  • Laserdistanzmesser (TC LD 50)
  • 360° Kreuzlinienlaser (TE LL 360)
  • Stichsäge oder Kapp-/ Gehrungssäge
  • Bohrhammer
  • Akkuschrauber
  • Richtlatte
  • Cuttermesser
  • Rigipshobel
  • Spachtelset
  • Trockenbauschleifer/ Handschleifer
Zum Thema Werkzeug kann ich rückblickend folgende Empfehlungen aussprechen:
  • Der Laserdistanzmesser und der 360° Laser waren eine ungemeine Erleichterung beim Ausrichten und Einmessen (vor Allem wenn man alleine arbeitet) und haben mir viel Zeit und Kopfzerbrechen erspart.
  • Das Power-X-Change System ermöglicht einen viel flüssigeren Arbeitsablauf, kein Kabelwirrwarr, keine unterschiedlichen Akkus und mehr Freiheit beim Arbeiten auf der Leiter.
  • Wenn man schon das Geld für die Fachkraft spart, dann sollte man wenigstens in qualitativ hochwertiges Werkzeug investieren! Dies erleichtert einem „Laien“ die Arbeit ungemein.

Durchführung

Schritt 1 - Aufbau der Unterkonstruktion

Mittels 360° Laser projizieren wir eine umlaufende Laserlinie in den Raum auf einer Höhe von ca. 2,51 m.

Entlang der Laserlinie montieren wir unsere Holzlatten (Unterkante auf 2,51 cm), befestigen diese per Schrauben und Dübel an der Wand, sodass diese einmal den Raum umlaufen

Nun befestigen wir die Abhänger für die Längslattung an der Decke. Berechnen Sie den Abstand der Längslatten anhand der Breite Ihres Dämmfilzes, sodass Sie diesen später nicht zuschneiden müssen.

Je nach Abhängesystem / Decke / Gewicht müssen Sie mehr oder weniger Abhänger montieren um die Tragfähigkeit und Stabilität der Decke zu gewährleisten, in meinem Fall habe ich alle 80 cm einen montiert.

Stellen sie den 360° Laser auf die Höhe der Oberkante der an der Wand montierten Randlatten (also 2,56 m) und justieren Sie die Abhänger auf diese Höhe. Die von mir verwendeten haben einen Splintverschluss und lassen sich Millimetergenau verstellen, wodurch ich sehr einfach die Toleranzen der ursprünglichen Deckenhöhe ausgleichen konnte.

Jetzt werden die Längslatten an die Anhänger geschraubt und auch mit der Randlattung, wo diese aufliegen fest durch Schrauben verbunden. Bei der Verwendung größerer Schrauben empfiehlt es sich durch Vorbohrungen einem Spalten des Holzes entgegenzuwirken.

Beim nächsten Schritt, dem Anbringen der Konterlattung gibt es ein paar Dinge zu beachten. Da an diesen Hölzern die Gipskartonplatten befestigt werden, müssen sie im richtigen Abstand zueinander montiert werden. Die von mir verwendeten Rigips Platten haben eine Länge von 2 m, das bedeutet dass die Holzlattung im Abstand von 61,66 cm zueinander angebracht werden müssen. Stellen Sie außerdem sicher, dass die Konterlattung exakt im rechten Winkel zur Wand verschraubt wird.

Sollten noch Elektroinstallationen zu erledigen sein, ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Verlegen Sie die Kabel für Licht und testen Sie unbedingt deren Funktionalität!

Schritt 2 - Das Dämmen

Nun wird gedämmt! Tragen Sie bei diesem Schritt die notwendige Schutzausrüstung – Atemmaske, Schutzbrille und Handschuhe sind Pflicht! Der Dämmfilz wird jeweils in zwei Lagen, einmal zwischen die Längs- und einmal zwischen die Konterlattung geklemmt, so vermeiden wir mögliche Kältebrücken. Insgesamt habe ich eine Dämmfilzstärke von 12 cm eingearbeitet.

Da in meinem Fall die Decke des Raumes an einen anderen beheizten Raum angrenzt, müssen wir hier keine Dampfsperre einsetzen. Wäre aber zum Beispiel ein unbeheizter Dachboden darüber, wäre der Einsatz einer Dampfsperre notwendig und an dieser Stelle anzubringen.

Schritt 3 - Montage der Platten und Fertigstellung

Für die jetzt anstehende Arbeit organisiert man sich am besten eine zweite Person: Das Montieren der Gipskartonplatten! Diese werden mit speziellen Schrauben an der Unterkonstruktion befestigt wobei ich pro Platte ca. 30-40 Stück verwendet habe.

Bei der Verarbeitung der Platten muss folgendes berücksichtigt werden

  • Um die Größe der Platte zu reduzieren wird sie auf einer Seite mit einem Teppichmesser angeritzt und über eine Kante gebrochen, dann nochmal von der Rückseite der Karton durchschnitten
  • Spezielle Formen können mit der Stichsäge geschnitten werden
  • Platten so verlegen, dass keine Kreuzfugen entstehen (diese könnten nach dem Spachteln leicht aufreißen)
  • Ränder immer anschrägen (z.B. mit einem Rigipshobel) damit beim Spachteln genug Platz für die Spachtelmasse vorhanden ist
  • Zwischen den einzelnen Platten ca. 1 mm Zwischenraum frei lassen
  • Zwischen Wand und Platten eine umlaufende, ca. 2 mm große Dehnungsfuge frei lassen

Als nächstes werden die Fugen verspachtelt. Für eine bessere Haftung sollten die Zwischenräume frei von Staub sein, es empfiehlt sich also diese mit Staubsauger und nassem Pinsel zu reinigen. Dann werden alle Fugen mit einem selbstklebenden Glasfaser-Gewebeband abgeklebt, um ein späteres Aufreißen der gespachtelten Stellen zu unterbinden. An Kanten verwenden wir eine dafür vorgesehene Kantenschutzleiste.

Die Spachtelmasse wird nun in die Fugen eingearbeitet. Dafür sind meist mehrere Durchgänge notwendig, da sich das Material beim Trocknen etwas zusammenziehen kann. Je sauberer man hier vorgeht umso weniger Arbeit hat man im folgenden Schritt.

Um eine glatte Oberfläche zu erhalten, müssen nun Unebenheiten durch abschleifen beseitigt werden. Mann kann dies per Hand machen, oder bei größeren Flächen auf eine elektrische Alternative wie den Einhell Trockenbauschleifer TC-DW 225 zurückgreifen.

Jetzt wird die an die Wand angrenzende Dehnungsfuge mit „Maler-Acryl“ verschlossen, dieses kann später ohne Probleme übermalt werden.

Abschließend verleihen wir der Decke ihren finalen Glanz. Da Gipskartonplatten eine stark saugende Oberfläche aufweisen, sollte man vor dem Malen eine Grundierung aufbringen um spätere Farbunterschiede zu vermeiden. Es gibt auch spezielle Farbmischungen, bei denen auf die Grundierung verzichtet werden kann, hier müssen aber meist mehrere Schichten Farbe aufgetragen werden.

Geschafft!

AutorPhilipp Weiler
Lesezeit10 Minuten