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DIY: Eierbecher drechseln

Wer sich gerne kreativ betätigt, kann sich mit einer Drechselbank wunderschöne Einzelstücke herstellen. Meist entsteht das Produkt intuitiv, bei mir ist das jedenfalls so. Ich kann anfangs nicht sagen wie das fertige Objekt aussehen wird, zwar habe ich eine Idee im Kopf, doch was dabei entsteht, entscheiden meine Hände mit meinen Gedanken.

"Drechseln ist ein wenig wie Meditation, deshalb nenne ich es Medikreation."

Bei diesem Projekt das nun folgt gehe ich natürlich davon aus, dass ihr schon ein paar Drechsel- bzw. Konturübungen am Langholz hinter euch habt.

Material Werkzeug
Kantholz / Rundholz ca. 6x15 cm / Baumstumpf ca. 20 cm Drechselbank + Drechselbeitel
Wachs / Öl / Beitze Adapter Gewinde 18 auf 33 + Drechselfutter klein 50 mm
  Bandsäge
  Akku-Kompressor Pressito
  Schleifpapier (120, 180, 240)

Schritt 1: Die Vorbereitung

Im ersten Schritt nehmen wir einen Baumstumpf (Hartholz) mit ca. 20 cm Länge und einem Durchmesser von ca. 17 - 20cm. Nun halbieren wir den Stamm mit der Bandsäge so das der Kern entfernt wird und uns eine ca. 6x20cm langes Kantholz übrigbleibt. Die Faserrichtung ist nun automatisch längs des Holzes, was sehr wichtig ist. Der Kern muss entfernt werden da euch sonst nachher das Werkstück reißt. Natürlich könnten wir auch einfach ein Rund oder Kantholz nehmen, das bleibt jedem selbst überlassen.

Schritt 2: Das Einspannen

Wenn wir nun das Holzstück vorbereitet haben geht es an die Bestückung der Drechselbank mit eine Adapter 18x36 und dem dazu passenden Drechselfutter. In meinem Fall ein für Kleinteile passendes 50mm Futter. Um nun das Holz drechselfertig zu machen, bohren wir mit einem Forstnerbohrer in eine Stirnseite ein Sackloch 10 mm tief und im Durchmesser von 35 mm. In diesem Sackloch wird dann das Drechselfutter von innen verspannt.

Nun richtet man das Holz so gut es geht auf Rundlauf aus und verspannt das Futter. Für Anfänger schlage ich vor den Reitstock auf der rechten Seite zu benutzen um den Werkstück weiter Halt zu geben. Jetzt überprüfen wir noch einmal ob auch wirklich alles fest ist. Hier ein Beispiel wie man ein längeres Stück Holz mittels Reitstock verspannt.

Schritt 3: Das Drechseln

So jetzt geht es an die eigentliche Arbeit, das Drechseln bzw. die Medikreation. Zuerst drechseln wir das Holzstück bei 600 - 700 Umdrehungen rund. Bei einem Kantholz bitte vorsichtig und mit viel Gefühl drangehen, weil sonst die Gefahr besteht, dass es uns die Ecken abschlägt. Sobald wir merken, dass der Rundlauf zunimmt, erhöhen wir die Drehzahl auf 1400 - 1700 Umdrehungen, um eine bessere Oberfläche zu bekommen. Jetzt geht es an die Konturen. Fast alles ist möglich. Ich habe mich für einen kleinen Kelch/ Eierbecher entschieden, den ich dann mal 6 drechseln werde mit einem dazu gehörigen Tablett, das ihr in meinem nächsten Projekt nachmachen könnt. Mit dem Abstecher legen wir nun die Unterseite des Kelches fest und drechseln die äußere Form. Ich habe übrigens den Reitstock hier auf meinen Bildern nicht benützt, da ich bei so einem kurzen Holz keinen mehr benötige.

Schritt 4: Die Innenseite

Sobald die Außenseite so ist wie ihr sie euch vorstellt, könnt ihr den Reitstock entfernen, um die Ober- und Innenseite des Kelches zu bearbeiten. Beim Innendrechseln bitte immer darauf achten, dass der Meisel nicht einhakt und sich verfängt. Wer möchte, kann hier die Geschwindigkeit wieder reduzieren. Immer mit der Ruhe, gut Ding will schließlich Weile haben!

Schritt 5: Das Finish

Jetzt haben wir den Kelch fertig und können mit dem Feinschliff beginnen. Bei 600 - 800 Umdrehungen schleifen wir mit dem Schleifpapier Körnung 120 innen wie außen. Das wiederholen wir anschließend mit Körnung 180 und 240. Sobald euch die Oberfläche zusagt, könnt Ihr aufhören zu schleifen. Je nach Gefühl und wie es dazu passt, mache ich manches feiner oder eben auch gröber. Umso mehr Erfahrung man beim Drechseln bekommt, desto weniger muss man am Schluss schleifen. Nach dem letzten Feinschliff blasen wir das Werkstück mit Druckluft ab. Hier eignet sich z.B. der Akku-Kompressor Pressito. Danach tragen wir bei gleicher Drehzahl das Finish mit einem Lappen auf und polieren das Ganze. Dazu kann man sowohl Öl (es geht auch Olivenöl) als auch Wachs (z.B. Carnaubawachs) verwenden. Der letzte Akt ist das Trennen des Kelches vom Grundmaterial. Dazu nehmen wir wieder den Abstecher und stechen den Boden restlos ab. Schließlich den Boden noch ein wenig schleifen und auch mit Öl behandeln.

Fertig ist unser Kelch!

Ich hoffe ich konnte euch inspirieren und verführen ein eigenes Drechselprojekt zu starten.

Euer Harry

 

AutorHarry Früchtl
Lesezeit10 Minuten

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