Mehr anzeigen

Holz altern lassen

Weil Altholz oft von der Natur geformt und durch die Zeit gefärbt ist, wird es dadurch wertvoll für Bastler. Natürliche ,,Used Looks“ - verblichene Bohlen, alte Zäune oder altes Treibholz - eignen sich hervorragend als stilvolle Dekoration für den Innenbereich. Aber was tun, wenn kein Altholz zur Hand oder es schlichtweg zu teuer ist?

Heute werde ich dir einige Tipps und Tricks zeigen, wie du aus Neu, Alt machst. Es gibt sicherlich noch viel mehr Möglichkeiten dies zu tun, aber ich zeige euch hier die Methoden, welche am einfachsten umzusetzen sind. 

Mechanische Bearbeitung

Um Bretter auf alt zu trimmen, fängst du am besten mit der mechanischen Bearbeitung an. Mit verschiedenen Drahtbürsten bürstest du entlang der Maserrichtung bis tiefe Riefen entstehen. Die weichen Jahresringe werden durch die Bürsten entfernt, sodass nur die harten Ringe zurückbleiben.

Einfach geht dies z.B. mit einer Bohrmaschine mit Drahtbürsten Aufsatz. Diese findest du in jedem Baumarkt. Es gibt entsprechende Sets mit 3-4 verschiedenen Runddrahtbürsten, die vorne in das Bohrfutter eingespannt werden können. 5-10 Minuten solltest du aber für eine Seite eines Palettenbrettes einplanen. Wenn du mit der Drahtbürste die Kanten deines Brettes längere Zeit bearbeitest, sehen diese später aus als seien sie durch Wind und Wetter abgenutzt. Bei Harthölzern dauert dieser Prozess noch deutlich länger, aber das soll ja kein Hindernis für ein schönes Projekt sein. Wie das Ergebnis aussehen soll liegt alleine bei dir.

Palettenholz hat oft schon mechanische Spuren wie Kratzer, Risse und Dellen, diese erleichtern den Alterungsprozess.
Unser DIY-Tipp

Abflammen von Holz

Das Abflammen ist eine Technik, welche das Holz witterungsbeständiger macht. Durch dieses Verfahren ist es auch möglich, die Holzdekoration später in den Garten zu stellen. Beim Abflammen verbrennen die weichen Jahresringe, welche dann im nächsten Schritt mit einer Messingbürste von Hand ganz einfach ausgebürstet werden. Das Abflammen selbst ist keine schwierige Aufgabe, aber es sind etliche Punkte zum Thema Sicherheit zu beachten.

• Es sollte immer Löschwasser / Feuerlöscher bereitstehen

• Holz sollte nur im Freien abgeflammt werden

• Geräte zum Flammen sollten immer auf Schäden oder undichte Stellen geprüft werden

Beim Abflammen kommt es auf den richtigen Moment an. Das Holz muss schwarz sein sollte, aber nicht brennen. Nach dem Verkohlen nimmst du dir eine Messingbürste und entfernst die verkohlten Fasern. Es kommen nun wieder tiefe Riefen zum Vorschein, welche auch ein typisches Kennzeichen von Althölzern sind.

Mit etwas Wasser wird nun die Oberfläche gereinigt. Dieser Prozess wird solange wiederholt, bis du das gewünschte Ergebnis erhältst. Anschließend kannst du das Holz mit Oliven Öl einreiben. Dadurch wird das Holz konserviert und ist somit auch für den Außenbereich geeignet. Durch das Bestreichen mit Olivenöl können auch Lebensmittel ohne Bedenken auf diesen Hölzern in Szene gesetzt werden.

Beizen mit Hausmitteln herstellen

Altes Holz ist farblich nicht leicht zu imitieren. Sonneneinstrahlung, Wind und Regen lassen die Farbe oft unregelmäßig erstrahlen. Im Baumarkt um die Ecke kann viel Geld für fertige Beizen investiert werden, jedoch finde ich die Farbtöne nicht rustikal genug.

Deshalb habe ich hier für dich einige Rezepte, damit du dir unterschiedliche Beizen selbst herstellen kannst:

Rezept 1: 200ml Essig Essenz + Feine Stahlwolle = Hell Gräulicher Farbton

Rezept 2: 200ml Balsamico Essig + Stahlwolle = Leicht Bräunlich Farbton

Rezept 3: 200ml Essig Essenz + Rostige Nägel = leicht rötlich

Rezept 4: 200ml Heißes Wasser + 4 Beutel Schwarzen Tee = Um Gerbsäuren zu zugeben

Rezept 5: 200ml Heißes Wasser + 3 Esslöffel Kaffee Pulver = Dunkelbraun

Rezept 6: 200ml Kaltes Wasser + Acrylfarbe = Verwaschenes Blau

Rezepte 1-3:

Die Herstellung ist sehr einfach. Die Zutaten werden jeweils in ein altes Marmeladen oder Gurken Glas gegeben. In den nächsten 24 Stunden reagiert die Säure des Essigs mit dem Metall, es ist wichtig, dass die Gläser nicht verschlossen werden, da der Sauerstoff wichtig für den Oxidationsprozess ist. Nach über 24 Stunden (Längere Stehzeiten bringen kräftigere Ergebnisse) kann das Metall aus den Gläsern entfernt und die Beize aufgetragen werden. Es ist wichtig die Töne vorab zu testen, da sie mit jeder Holzsorte unterschiedlich reagieren.

Rezepte 4-5:

Beim vierten und fünften Rezept wird der Kaffee und der Tee jeweils in ein Behältnis geben und anschließend mit heißem Wasser übergossen. Wenn das Wasser ausgekühlt ist, kann der Kaffeesatz / Teebeutel entfernt werden und es bleibt Beize zurück. Hier können durch Reduzierung oder Erhöhung des Kaffee- bzw. Teegehalts unterschiedliche Farbtöne kreiert werden.

Rezept 6:

Das letzte Rezept ist ein Rezept aus meiner Grundschulzeit. Ich habe dabei an das Wasser gedacht, was beim Malen mit Wassermalfarben entsteht. Jedoch löst du hierbei statt Wassermalfarben einfach etwas Acryl Farbe in Wasser auf und erhältst so einen leichten Farbton.

Die Beizen 1-3 reagieren sehr stark mit Gerbsäuren aus den Hölzern. Jedes Holz hat einen gewissen Anteil an Gerbsäure und diese Menge spielt eine wichtige Rolle für die Reaktion.

Bei Hölzern wie Nussbaum, Robinie oder Eiche, welche einen hohen Anteil an Gerbsäuren aufweisen, wird die Farbgebung besonders dunkel. Nadelhölzer hingegen haben einen geringeren Anteil an Gerbsäure, dadurch wirkt das Holz nach der Färbung eher gräulich. Möchtest du gerne, das dein Nadelholz dunkler wird, so kannst du einen Schwarztee mit mehreren Beuteln kochen und diesen vor dem Beizen auf das Holz auftragen. Dadurch wird die Reaktion der Beize erhöht, wodurch die Farbgebung dunkler wird.

Kombinieren

Wenn du nun diese Varianten untereinander kombinierst, erhältst du ziemlich sicher einen schicken Altholz Look für dein Projekt. Es empfiehlt sich mehrere Beizen herzustellen, um möglichst viele unterschiedliche Farbtöne zu kreieren.

Ich wünsche dir viel Spaß mit deinem nächsten Altholz Projekt :)

AutorPatrick Jung
Lesezeit8 Minuten

Unsere Empfehlung