Mehr anzeigen

Nie wieder stumpfe Bohrer

Nichts ist ärgerlicher als mit einem stumpfen Bohrer ein Loch in ein Werkstück bohren zu wollen.

Bei mir stapeln sich mittlerweile stumpfe Bohrer und es wird Zeit, sie wieder scharf zu machen. Wie das bei den üblichen Spiralbohrern geht, zeige ich dir in diesem Artikel.

Ich benutze immer meinen 150er Doppelschleifer. Er ist wie die meisten Doppelschleifer mit zwei Scheiben in unterschiedlicher Körnung (K60 und K32) ausgestattet. Zum Anschleifen der Bohrer nutze ich die feinere Scheibe. Es gibt aber auch spezielle Bohrerschleifgeräte zu kaufen.

Um den Bohrer nicht ausglühen zu lassen und ihn damit unbrauchbar zu machen, solltest du etwas Wasser zum Kühlen bereithalten.

Die Theorie zum Bohrerschleifen

Dazu schauen wir uns erstmal einen Bohrer mit den unterschiedlichen Schneiden an. Ein Spiralbohrer weist grundsätzlich zwei, manchmal drei Schneiden auf.

Die Hauptschneiden

Das sind die beiden längsten Schneiden und sie sind dafür zuständig ins Material zu schneiden. Sie übernehmen sozusagen die Hauptaufgabe und werden in der Regel auch immer als erste in Mitleidenschaft gezogen. Sie stehen etwa 118 Grad zueinander (Spitzenwinkel).

Die Nebenschneiden

Diese sitzen ganz außen und sind nicht bei allen Spiralbohrern vorhanden. Sie sorgen dafür, dass der Bohrer ein sauberes Loch herstellt, unterstützen seine Führung und garantieren für einen ruhigen Lauf.

Die Querschneide

Die Querschneide wird auf das Material aufgesetzt und dreht sich ins Material. Sie ist der Grund, warum der Bohrer auf glatten Oberflächen wandert. Deshalb sollte man bei Metall oder Stahl immer Vorbohren oder wenigstens Körnen.

Die Schneidwinkel

Als Heimwerker ist es nicht ganz so entscheidend, ob der Spitzenwinkel zwischen den Hauptschneiden 118 oder 120 Grad beträgt. Die Hauptschneiden müssen über die Länge gerade und gleich lang sein. Nur so ist der Bohrer zentriert und läuft rund.

Die Querschneiden sollen in einem Winkel von 55 Grad zu den Hauptschneiden liegen.

Schritt für Schritt zum scharfen Bohrer

Zum Üben empfehle ich dir erstmal mit möglichst großen Bohrern zu beginnen. Halte also den Bohrer mit dem Schaft in der rechten Hand und lege ihn auf deinem linken Zeigefinger ab. Mit dem linken Daumen drückst du ihn auf den Zeigefinger. Jetzt stellst du dich leicht schräg mit der linken Seite zum Doppelschleifer und legst den linken Zeigefinger auf die Ablage (auch Funkenabweiser genannt) vom Schleifer, so dass der Bohrer bequem an die Schleifscheibe geführt werden kann.

Jetzt wird es kniffelig, da es sich um eine kombinierte Bewegung handelt. Du setzt den Bohrer mit der linken Hauptschneide an die drehende Schleifscheibe, senkst sofort leicht den hinteren Teil (rechte Hand), hebst leicht den vorderen Teil (linke Hand) und drehst dabei den Bohrer gleichzeitig im Uhrzeigersinn etwa eine Achteldrehung. Du brauchst keinen starken Druck auszuüben, musst aber darauf achten, dass der Bohrer während der Drehung immer im Kontakt mit der Schleifscheibe bleibt.

Nach jeder Achteldrehung setzt du den Bohrer ab und schaust dir die Schleifspuren an. An diesen kannst du erkennen, ob du den Bohrer richtig hältst oder etwas korrigieren musst. Wenn du zu viel Druck ausgeübt oder den Bohrer zu lange an die Schleifscheibe gehalten hast, wird der Bohrer zu heiß. Bevor er glüht oder farbig anläuft, solltest du ihn mit Wasser kühlen. Wenn die Hauptschneide eine glatte Kante aufweist, wechselst du durch Drehen des Bohrers zur zweiten Hauptschneide und verfährst dort genauso wie bei der ersten. Jetzt musst du nur darauf achten, dass der Bohrer zentriert ist, also die beiden Hauptschneiden gleich lang sind.

Probiere einfach etwas herum und denke immer daran: auch ein nicht ganz perfekt geschliffener Bohrer ist immer besser als ein stumpfer Bohrer.
Frank Rath
Passionierter Heimwerker
AutorFrank Rath
Lesezeit8 Minuten